Blinde und Sehbehinderte am Computer

Erste Schritte am Computer

Technische Voraussetzungen

Um spätere Enttäuschungen zu vermeiden, sollte man sich vor der Neuanschaffung eines Computersystems gründlich informieren und beraten lassen.

Überlegen Sie sich zuerst gut was Sie mit Hilfe des Computers erreichen möchten- soll Ihnen nur die gedruckte Post vorgelesen werden oder möchten Sie selbst Texte schreiben, im Internet surfen, im elektronischen Lexikon suchen sich Adressverzeichnisse erstellen, Soundbearbeitungen vornehmen ... Halten Sie sich die Möglichkeit einer Erweiterung offen. Oft beginnt man mit einem Vorlesesystem und bekommt bald Lust auf mehr.

Prinzipiell sind alle multimediafähigen PC, Notebooks, Netbooks mit ausreichendem Arbeitsspeicher für Blinde nutzbar. Um sich mit ihm verständigen zu können, benötigen Sie aber ein spezielles Bildschirmausleseprogramm - den Screenreader. Davon werden verschiedene angeboten. Sie unterscheiden sich mehr oder weniger in ihrer Anwendung und ihren Möglichkeiten.
Im Minimalfall kann es also reichen, einen Screenreader zu installieren.
Gefällt Ihnen die darin integrierte Sprache nicht, so ist die Installation einer anderen Sprache möglich.
Die akustische Ausgabe erfolgt von der Soundkarte über handelsübliche Lautsprecher oder Kopfhörer.
Für Blinde, die die Punktschrift beherrschen, besteht die Möglichkeit eine Braillezeile und ein Brailledrucker anzuschließen.

Bei der Zusammenstellung "Ihres Systems" wird die Entscheidung für einen bestimmten Screenreader eine wichtige Rolle spielen.
Zu bedenken ist unter anderem:

Da Screenreadern nicht gerade billig sind, sollten Preisvergleiche vorgenommen werden.
Bevor Sie sich für einen Screenreader entscheiden, "nehmen Sie ihn unter Ihre eigenen Finger"! Testen Sie ihn in aller Ruhe. Sie wollen mit ihm später zurechtkommen.
Für die verschiedenen Screenreader sind Demo-Versionen bei Hilfsmittelanbietern bzw. im Internet erhältlich. Diese verfügen meist bei einer zeitlichen Begrenzung über ihren vollen Funktionsumfang

Hinweis: Ein kostenloser Screenreader für Windows, der NVDA, kann heruntergeladen werden unter
http://www.nvda-project.org/wiki/Download

Bei der Auswahl der Anwendungssoftware ist auf ihre Eignung für Blinde zu achten. So sollte die Bedienerführung menügesteuert, nicht grafisch sein. Informieren Sie sich über die Verwendbarkeit der Software bei anderen Blinden Nutzern oder Hilfsmittellieferanten.

Zum Computerarbeitsplatz gehört natürlich auch eine Tastatur. Besondere blindenspezifische technische Forderungen werden an Sie nicht gestellt.
Zur besseren Orientierung auf der Tastatur empfiehlt sich die Anbringung von Markierungen auf einzelnen Tasten. Dazu sind zum Beispiel bei Hilfsmittelanbietern erhältliche Markierungspunkte oder -pasten geeignet.

Für die Arbeit des Blinden mit einem Screenreader ist der Anschluss eines Bildschirmes nicht notwendig. Trotzdem sollte man nicht auf ihn verzichten. Er ermöglicht die Zusammenarbeit mit Sehenden. Unter Umständen wird er auch für notwendige Arbeiten am PC benötigt, die nur von Sehenden ausgeführt werden können.

Informieren können Sie sich unter anderem bei:

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Hartmut Wittig, Eberswalde | Datum der letzten Änderung: 4. August 2010